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H&R Media

Warum man ein KI-Bild nicht einfach drucken kann

Marie Hermann und Eugen Remchen5 Minuten Lesezeit

Ein generiertes Bild sieht am Bildschirm fertig aus. Auf Papier oder auf einer Plane entscheidet sich, ob es das auch ist.

Wie viele Pixel ein Motiv wirklich braucht

Die Rechnung ist einfach und wird trotzdem selten gemacht. Für den Druck aus normalem Leseabstand rechnet man mit 300 dpi, also 300 Punkten je Zoll. Ein Zoll sind 2,54 Zentimeter. Damit ergibt sich die druckbare Breite aus der Pixelzahl geteilt durch 300, mal 2,54.

Ein generiertes Bild mit 1024 Pixeln Kantenlänge kommt so auf rund 8,7 Zentimeter. Das reicht für ein Bild in einem Flyer, nicht für eine Seite. Eine ganze DIN-A4-Seite braucht bei 300 dpi rund 2480 mal 3508 Pixel, also etwa das Sechsfache an Kantenlänge und das Achtfache an Fläche.

Wer das erste Bild direkt aus dem Modell in ein Druck-PDF legt, bekommt entweder eine Briefmarke oder einen weichen Fleck. Beides fällt am Bildschirm nicht auf, weil der Monitor bei rund 100 dpi endet.

Blatt aus unserer Fallstudie: dasselbe Flaschenmotiv als Marktplatzbild mit 2000 mal 2000 Pixeln, als Social-Post, als Story und als Druckdatei mit 300 dpi in CMYK
Ein Motiv, vier Ausgaben. Marktplatz, Social und Story in sRGB, die Druckdatei mit 300 dpi in CMYK. Die Auflösung richtet sich nach der Endgröße, nicht nach dem Gefühl.

Großformat rechnet anders

Bei Plakaten, Bannern und Fahrzeugen sinkt die nötige Auflösung, weil niemand aus zwanzig Zentimetern Entfernung davorsteht. Wir rechnen für Großformat mit 70 dpi am Endformat. Je nach Größe und Betrachtungsabstand liegen die Vorgaben der Druckereien zwischen etwa 30 dpi bei Großflächenbannern und 100 dpi bei Fahrzeugen. Unser Wert liegt bewusst am oberen Ende, denn mehr Auflösung kostet nur Dateigröße, zu wenig kostet den Druck.

Eine Planenseite an einem Sattelauflieger ist über 13,60 Meter lang. Das sind rund 535 Zoll. Bei 70 dpi ergibt das etwa 37.500 Pixel Breite. Ein Modell, das 1024 mal 1024 Pixel liefert, ist davon einen Faktor 36 entfernt.

Wichtig dabei: Diese Werte gelten für das Endformat. Wer die Datei verkleinert anlegt, etwa im Maßstab 1:10, muss die Auflösung im gleichen Verhältnis erhöhen. Aus 150 dpi im Druck werden dann 1500 dpi in der Datei.

Dazu kommt, was bei Großformat sonst noch dranhängt: Ösen, Nähte, Falten und die Frage, welcher Teil des Motivs von Aufbauten verdeckt wird. Bei Fahrzeugen kommen die Vorgaben aus StVZO und den ECE-104-Entwurfsrichtlinien dazu, etwa zu retroreflektierenden Konturmarkierungen, die nicht überklebt werden dürfen.

Richtwerte für die Auflösung am Endformat
AnwendungBetrachtungsabstandAuflösung am Endformat
Flyer, Broschüre, EtikettLeseabstand300 dpi
Plakat A1 bis A01 bis 2 Meter50 bis 100 dpi
PVC-Banner, Roll-Up2 bis 5 Meter72 bis 100 dpi
Fahrzeugbeschriftung und Planen2 bis 10 Meter50 bis 100 dpi
Mesh- und Bauzaunbannerab 5 Meter40 bis 72 dpi
Großflächenbannerab 10 Meter25 bis 50 dpi
Richtwerte aus den veröffentlichten Vorgaben von Großformatdruckereien. Verbindlich ist immer das Datenblatt der Druckerei, die den Auftrag ausführt.

Upscaling: rekonstruieren statt erfinden

Hochrechnen ist der offensichtliche Ausweg aus dem Auflösungsproblem, und moderne Verfahren können viel. Der Unterschied liegt darin, was sie tun, wenn keine Information mehr da ist. Ein gutes Ergebnis rekonstruiert vorhandene Strukturen. Ein schlechtes erfindet neue.

Erfundene Details erkennt man zuerst an drei Stellen: an Schrift, die beim Vergrößern zu Buchstaben wird, die es nicht gibt, an Materialoberflächen, die plötzlich ein regelmäßiges Muster bekommen, und an Kanten, an denen sich ein feiner Doppelrand bildet.

Deshalb wird bei uns nach dem Hochrechnen in 100 Prozent geprüft, nicht in der Bildschirmansicht. Was in der Übersicht sauber wirkt, hält der Ansicht in Originalgröße oft nicht stand.

Kanten gehören in Vektoren

Logos, Wortmarken und Beschriftungen sind kein Bildinhalt, sondern Form. Eine gerasterte Kante besteht aus Pixeln und franst aus, sobald sie groß genug gedruckt wird. Eine Vektorkante bleibt eine Kurve, egal wie groß.

In der Praxis heißt das: Der generierte oder fotografierte Teil bleibt ein Bild, alles Typografische und alle harten Kanten werden neu aufgebaut. Schrift wird gesetzt, nicht generiert. Das ist zugleich die einfachste Absicherung gegen den bekanntesten KI-Fehler, nämlich Text, der aussieht wie Text, aber keiner ist.

Reinzeichnung eines Etiketts als Bauzeichnung mit Endformat, drei Millimetern Anschnitt, vier Millimetern Sicherheitsabstand, CMYK-Werten der drei Markenfarben und Vorgaben zu Farbauftrag und Strichstärke
Was an die Druckerei geht, ist kein Bild, sondern eine Bauzeichnung. Endformat, Anschnitt, Sicherheitsabstand, Farbwerte in CMYK, und alle Schriften in Pfade gewandelt.

Der Bildschirm zeigt Farben, die keine Maschine druckt

Ein Monitor mischt Licht, eine Druckmaschine mischt Farbe auf Papier. Deshalb liegt der Farbraum eines Bildschirms teilweise außerhalb dessen, was im Druck überhaupt möglich ist. Die Umrechnung von RGB nach CMYK ist keine Formalität, sondern eine Entscheidung darüber, wohin die Farben wandern, die nicht darstellbar sind.

Am deutlichsten trifft es kräftiges Orange, gesättigtes Blau und leuchtendes Grün. Genau die Töne, die generative Modelle gern liefern, weil sie am Bildschirm gut aussehen. Wer ohne Profil konvertiert, bekommt sie stumpf zurück und merkt es erst am Andruck.

Wir rechnen deshalb mit dem Profil um, das die Druckerei verwendet, meist ISO Coated v2 für gestrichene Papiere, und prüfen vorher, welche Flächen aus dem Farbraum fallen. Kritische Töne werden angepasst, solange das Motiv noch offen ist, nicht erst in der fertigen Datei.

Blatt zum Farbraum: dasselbe Motiv in sRGB, nach der Umrechnung in ISO Coated v2 und mit rot markierten Flächen, die außerhalb des Druckfarbraums liegen
Dasselbe Motiv in sRGB und nach der Umrechnung nach ISO Coated v2. Rot markiert sind die Flächen, die außerhalb des Druckfarbraums liegen und sichtbar an Sättigung verlieren.

Die inhaltliche Prüfung, die niemand automatisieren kann

Technisch saubere Dateien können inhaltlich unbrauchbar sein. Generative Modelle setzen fremde Marken ins Bild, produzieren Hände mit zu vielen Fingern und bauen Gegenstände, die es so nicht gibt. Auf einem Werbemotiv ist eine erkennbare fremde Marke kein Schönheitsfehler.

Dazu kommt die Kennzeichnung. Der EU AI Act sieht in Artikel 50 Transparenzpflichten für bestimmte künstlich erzeugte Inhalte vor. Wir dokumentieren deshalb, welcher Anteil eines Motivs generativ entstanden ist, und halten das für die Unterlagen unserer Kunden fest. Das ersetzt keine Rechtsberatung, und wir geben auch keine.

Was vor der Druckfreigabe geprüft gehört

Die kurze Fassung des ganzen Textes, in der Reihenfolge, in der wir sie abarbeiten:

  • Auflösung am Endformat gerechnet, nicht am Bildschirm geschätzt
  • Hochgerechnete Flächen in 100 Prozent auf erfundene Strukturen geprüft
  • Schrift und harte Kanten als Vektor, nicht als generierte Pixel
  • Farbumrechnung mit dem Profil der Druckerei, kritische Töne vorher angepasst
  • Beschnitt und Sicherheitsabstand nach den Vorgaben der Druckerei
  • Bildinhalt auf fremde Marken, Schriftfehler und Anatomie geprüft
  • Generativer Anteil dokumentiert, Kennzeichnung nach Artikel 50 EU AI Act geklärt

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